Ob im Mehrfamilienhaus das gemeinsame Fallrohr oder nur der eigene Abfluss verstopft ist, zeigt sich an einem einfachen Muster: Ist nur ein Ablauf in Ihrer Wohnung träge, liegt es an Ihrem Siphon oder Anschlussrohr. Sind mehrere Abläufe gleichzeitig betroffen, gluckert das WC, wenn oben geduscht wird, oder drückt in der untersten Wohnung Abwasser aus WC oder Duschwanne hoch, dann ist der Fallstrang dicht. In diesem Fall hilft nichts, was Sie von der Wohnung aus tun können – der Strang muss vom Keller oder Treppenhaus aus gereinigt werden, und zuständig ist in der Regel der Eigentümer oder die Hausverwaltung.

Was ein Fallstrang ist und warum er alle betrifft

In einem Geschosswohnungsbau laufen die Abwässer der übereinanderliegenden Bäder und Küchen nicht einzeln in den Keller, sondern in ein gemeinsames senkrechtes Rohr – den Fallstrang oder das Fallrohr. Jede Wohnung ist über kurze Anschlussleitungen an diesen Strang angebunden. Im Keller geht der Strang in die waagerechte Grundleitung über, die zum Kanal führt. Nach oben ist er meist über das Dach entlüftet, damit beim Ablaufen kein Unterdruck entsteht.

Diese Bauweise ist effizient, hat aber eine Konsequenz: Was oben eingespült wird, muss an allen darunterliegenden Wohnungen vorbei. Setzt sich der Strang zu, betrifft das nicht die Wohnung, in der die Ursache liegt, sondern alle Wohnungen unterhalb der Verstopfung – und ganz besonders die unterste.

In den Altbauten und Nachkriegsbauten von Tempelhof, Steglitz und Neukölln sind die Fallstränge häufig noch aus Gusseisen, teils mit engen Übergängen und rauen Innenwänden, an denen sich Fett und Ablagerungen leicht festsetzen. In sanierten Häusern sind es Kunststoffrohre, die glatter sind, aber dieselbe Logik haben.

Fallstrang oder eigene Wohnung: die Unterscheidung

Bevor Sie jemanden anrufen, lohnt eine kurze Bestandsaufnahme. Die folgenden Beobachtungen grenzen die Ursache in den meisten Fällen zuverlässig ein:

BeobachtungEher eigene WohnungEher gemeinsamer Fallstrang
Nur ein Abfluss ist träge, die anderen laufen normalJa – Siphon oder AnschlussrohrNein
WC und Dusche oder Waschbecken sind gleichzeitig betroffenSeltenJa – die Anschlüsse münden im selben Strang
Es gluckert im WC, wenn der Nachbar über Ihnen duscht oder spültNeinJa – Luft wird durch die Verengung zurückgedrückt
Abwasser steigt in der untersten Wohnung im WC oder in der Duschwanne hochNeinJa – klassischer Rückstau im Strang
Nachbarn über oder unter Ihnen melden dieselben ProblemeNeinJa
Problem trat nach eigenem Fehlverhalten auf (Fett, Katzenstreu, Hygieneartikel)Möglich, wenn nur Ihre Wohnung betroffen istMöglich, wenn es tiefer sitzt

Ein Sonderfall: In der obersten Wohnung merkt man von einer Fallstrangverstopfung oft lange nichts, weil das Wasser noch ein Stück weit nach unten abläuft, bevor es sich staut. Die Beschwerden kommen dann zuerst aus den unteren Geschossen.

Wenn nur Ihr WC verstopft ist und alles andere läuft, ist das eine Sache für die WC-Reinigung in der Wohnung selbst – ab 127 € zum Festpreis. Der Fallstrang ist dann nicht das Thema.

Was in der untersten Wohnung passiert

Das unangenehmste Symptom trifft die Bewohner im Erdgeschoss oder Souterrain. Wenn oben gespült, geduscht oder die Waschmaschine gestartet wird, staut sich das Wasser über der Verstopfung und steigt im Strang nach oben. Der erste Ablauf, den es erreicht, ist der tiefste Anschluss – und aus dem drückt es dann heraus: aus der Toilette, aus der Duschwanne, gelegentlich aus dem Waschmaschinenanschluss.

Das Wasser ist Abwasser aus den Wohnungen darüber. Für die Betroffenen unten heißt das: Sie können ihr eigenes Bad nicht mehr nutzen, und jede Nutzung in den oberen Wohnungen verschlimmert die Lage. Genau deshalb ist die Kommunikation im Haus in dieser Situation wichtiger als jede Sofortmaßnahme im eigenen Bad.

Was in der untersten Wohnung sofort hilft: Ablauf der Dusche mit einem schweren, flachen Gegenstand beschweren, WC-Deckel schließen und beschweren, Handtücher als Barriere auslegen. Das hält nicht dicht, verschafft aber Zeit.

Vorgehen: Schritt für Schritt

  1. Nutzung im Haus stoppen. Klingeln Sie bei den Nachbarn über Ihnen oder hängen Sie einen Zettel ins Treppenhaus: kein Spülen, kein Duschen, keine Waschmaschine, bis der Strang frei ist. Jeder Liter landet unten.
  2. Hausverwaltung oder Eigentümer informieren. Der Fallstrang ist Gemeinschaftseigentum. Die Beauftragung läuft in der Regel über die Verwaltung, die auch die Revisionsöffnungen kennt und Zugang zum Keller hat. Außerhalb der Geschäftszeiten haben viele Verwaltungen eine Notfallnummer.
  3. Zugang klären. Der Strang wird nicht von der Wohnung aus gereinigt, sondern über eine Revisionsöffnung – meist im Keller am Fuß des Strangs oder im Treppenhaus. Wer den Schlüssel hat und wo die Öffnung ist, sollte bei Ankunft des Monteurs geklärt sein.
  4. Reinigung. Der Strang wird mit der Spirale oder mit Hochdruck von der Revisionsöffnung aus freigemacht. Bei Fett und Ablagerungen an der Rohrwand ist Hochdruck gründlicher; bei einem einzelnen Fremdkörper reicht oft die Spirale.
  5. Kontrolle. Eine Kamerafahrt nach der Reinigung zeigt, ob der Strang sauber ist und ob es am Übergang zur Grundleitung weitere Engstellen gibt. Wenn Verstopfungen im selben Strang regelmäßig wiederkehren, lohnt diese Kontrolle in jedem Fall.

Details zur Reinigung des gemeinsamen Strangs stehen auf der Seite zum verstopften Hauptrohr. Für Verwaltungen, die mehrere Objekte betreuen, gibt es auf der Seite für Firmenkunden und Hausverwaltungen die Rahmenbedingungen für regelmäßige Einsätze.

Zuständigkeit: wer beauftragt, wer zahlt

Ohne in Einzelfälle zu gehen, lässt sich die Grundregel so zusammenfassen: Alles, was innerhalb der Wohnung liegt – Siphon, Anschlussrohr bis zur Wand – ist Sache der Wohnung. Alles, was gemeinsam genutzt wird – Fallstrang, Grundleitung, Hausanschluss –, ist Sache des Hauses, also des Eigentümers, der Eigentümergemeinschaft oder der von ihr beauftragten Verwaltung.

Für Mieter bedeutet das: Schaden melden, dokumentieren, nichts selbst beauftragen, es sei denn, die Verwaltung bittet ausdrücklich darum. Für Eigentümer in einer Gemeinschaft bedeutet es: Die Verwaltung koordiniert, die Kosten werden nach dem üblichen Schlüssel getragen. Ob ein einzelner Verursacher später herangezogen wird, ist eine Frage zwischen den Parteien und ändert nichts an der Dringlichkeit der Reinigung.

Im Notfall – Abwasser steht in der untersten Wohnung, Verwaltung nicht erreichbar – wird die Reinigung erfahrungsgemäß von dem beauftragt, der vor Ort ist, und später abgerechnet. Wichtig ist dann, dass der Auftrag und der Festpreis vor Arbeitsbeginn schriftlich festgehalten werden.

Warum Fallstränge verstopfen und wie man es verhindert

Die Ursache ist fast immer eine Mischung aus dem, was über Jahre eingespült wurde: Fett aus Küchen, das sich an der Rohrwand ablagert und verhärtet; Hygieneartikel und feuchtes Toilettenpapier, die sich nicht auflösen; Haare und Seifenreste aus Bädern; gelegentlich ein Fremdkörper, der sich an einer Übergangsstelle verkeilt und alles Weitere auffängt.

In einem Haus mit vielen Parteien reicht es, wenn eine Wohnung regelmäßig Fett in den Abfluss schüttet oder Feuchttücher spült. Die Verengung wächst, bis eine Kleinigkeit den Rest verschließt. Für Verwaltungen in Tempelhof, Steglitz und Neukölln hat sich deshalb bewährt, Fallstränge in älteren Häusern in größeren Abständen vorbeugend spülen zu lassen – bevor die unterste Wohnung meldet, dass es aus dem WC drückt. Wie sich ein beginnendes Problem früh bemerkbar macht, beschreibt der Beitrag Abfluss gluckert – Ursachen.

Fazit

Ein verstopftes Fallrohr im Mehrfamilienhaus verrät sich dadurch, dass mehrere Abläufe oder mehrere Wohnungen gleichzeitig betroffen sind und das Abwasser in der untersten Wohnung hochkommt. Von der eigenen Wohnung aus lässt sich daran nichts ändern; der Strang muss über die Revisionsöffnung im Keller oder Treppenhaus gereinigt werden. Zuständig ist das Haus, nicht der einzelne Mieter – deshalb sind Nutzungsstopp, Nachbarn informieren und Verwaltung verständigen die drei ersten Schritte. Eine Kamerakontrolle nach der Reinigung zeigt, ob der Strang wirklich frei ist oder ob das Problem tiefer in der Grundleitung weitergeht.

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